Dieser Artikel ist aus: Motorsport. Er betrifft die Themen: Erdgas und SuperEthanol
Jänner Rallye, Manfred Stohl, Hannes Danzinger, Reinhard Pasteiner
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Mit Erdgas auf den vierten Platz

Das war die 27. Jänner Rallye

(jmm: 05.01.2009)

Perfektes Debüt für Stohl. Ein technisches Gebrechen stoppt Danzinger. Pasteiner befindet sich weiterhin auf dem richtigen Kurs.


Zwei Tage lang saßen die Teilnehmer der Jänner Rallye 2009 von früh bis spät in ihren Autos und absolvierten dabei mehr als 800 Kilometer Fahrstrecke, von denen wiederum gut 230 Kilometer als Sonderprüfungen gezeitet wurden. Drei von insgesamt knapp 80 Startern setzten beim Saisonstart im eiskalten Mühlviertel auf alternative Treibstoffe und zeigten damit erneut, wie spannend es sein kann, umweltfreundlich um Sekunden zu kämpfen.

 

Nur ein Spitzenfahrer hatte sich für den Saisonstart Sonne und Asphalt gewünscht, begründet durch das Fehlen von vier angetriebenen Rädern, die bei Schnee und Eis für eine Fahrt unter die Top Ten unumgänglich sind. Hannes Danzinger und Copilotin Pia Maria Schirnhofer bekamen ihr Wunschwetter serviert (Schneeprüfungen galt es erst am Sonntag zu absolvieren) und wollten dies als Chance nützen, gleich von Beginn an kräftig aufzuzeigen. Technische Probleme am erdgasbetriebenen VW Golf Kit Car sorgten dafür, dass Hannes Danzinger die erste Sonderprüfung auf Platz 39 beendete. Es folgte eine sehenswerte Aufholjagd, die mit einem dritten Platz auf Sonderprüfung Nummer 9 ihren Höhepunkt erreichte. Auf Sonderprüfung 10 war es dann eine defekte Kupplung, die Danzinger rund fünf Minuten Zeitverlust und in weiterer Folge das vorzeitige Ende der Jänner Rallye einbrachte. Hannes Danzinger: „Die Bedingungen waren optimal, die Strecken ein Traum und jede Sonderprüfung ein echter Genuss. Wir kamen gerade so richtig in Fahrt und dann war’s schon vorbei. Schade, dass wir unser Können nicht bis zum Ende unter Beweis stellen konnten und bei den ersten Saisonpunkten leer ausgehen. Bis zum nächsten Renneinsatz Ende März wird der CNG VW Golf IV wieder auf Vordermann gebracht.“

 

Langsam begonnen und dann ganz stark aufgeholt haben bei der Jänner Rallye hingegen Manfred Stohl und seine Copilotin Ilka Minor im Subaru Impreza WRX STI CNG. Obwohl Stohl den ersten Einsatz des völlig neuen Erdgas-Autos von Beginn an als Praxistest definiert hatte, wollte ihm dies niemand entlang der Strecke so richtig glauben. Nachdem es zu Beginn nicht für Top Ten-Sonderprüfungszeiten gereicht hat, gelang es Stohl im Laufe des Samstags immer mehr aus dem Subaru herauszuholen, was ihm gegen Ende des ersten Tages noch zwei siebente und eine achte Sonderprüfungszeit einbrachte. Der Sonntag mit seinen vier SPs auf Schneefahrbahn zu Beginn des Tages brachte dann bereits die erste Sonderprüfungsbestzeit mit sich. Den zweifellos noch vorhandenen Leistungsmangel des CNG-Subaru im Vergleich zur direkten Konkurrenz konnte Stohl hier durch sein Können und seine große Erfahrung auf Eis und Schnee kompensieren. Wenig überraschend verlief dann auch der weitere Sonntag für Stohl/Minor ganz nach Plan und endete mit einer weiteren Sonderprüfungsbestzeit auf der letzten Etappe und einem hervorragenden 4. Gesamtrang. Manfred Stohl: „Es war ein perfekter erster Einsatz. Wir haben viele Erkenntnisse gesammelt und am Schluss hat auch noch das Ergebnis gepasst.“

 

Nicht ganz so erfolgreich war Reinhard Pasteiner mit seinem Superethanol-Mitsubishi unterwegs. Angetreten mit dem Ziel, das Sensationsergebnis von der Waldviertel Rallye 2008 zu wiederholen, musste das Team Reinhard Pasteiner / Fredi Fuchs von Beginn an erkennen, dass bei derart wechselnden Bedingungen und nur schwer einzuschätzenden Straßenverhältnissen Erfahrung durch nichts zu ersetzen ist. Erfahrung, die Pasteiner bei der insgesamt 11. Rallye seines Lebens einfach nicht hatte und demnach auch nicht abrufen konnte. Nichtsdestotrotz ließ sich Pasteiner nicht aus der Ruhe bringen, fuhr von Beginn an sein Tempo und manchmal etwas mehr und wurde schlussendlich mit einem 15. Gesamtplatz belohnt. Seine Lernfähigkeit unterstrich der Superethanol-Pilot mittels konstanten Steigerungen im Laufe der beiden Rallyetage. Waren es in den Morgenstunden ein 30. und ein 37. Platz, so gelang Pasteiner zum Schluss der Rallye sein bereits zweites Sonderprüfungsergebnis innerhalb der Top Ten.

 

Besonders erfreulich an der heurigen Jänner Rallye war das große Zuschauerinteresse, auch wenn wir den Verdacht nicht loswerden, dass einige der genannten 120.000 Zuschauer wohl irrtümlich mehrfach gezählt worden waren. Auch die erhoffte Bestätigung dieser WM-tauglichen Zahl durch das Bezirkskommando der Polizei blieb wie erwartet aus. Dies ändert aber nichts daran, dass es erstmals seit langer Zeit wieder Staus auf den Zufahrten zu den Zuschauerplätzen und eine durchwegs gute Stimmung auf allen Sonderprüfungen gab. Dabei zeigten sich die Fans durchwegs diszipliniert, was in Kombination mit einer sehr bemühten Organisation einen reibungslosen Ablauf der Jänner Rallye zuließ.

 

Jänner Rallye Chef Ferdinand Staber in in seiner Bilanz: „Wir haben wesentlich mehr Zuschauer gehabt als im Vorjahr. Sie alle waren vom tollen sportlichen Match und vom Einsatz der Teilnehmer begeistert. Sehr gut angekommen sind die neuen Aktivitäten mit einem Casino und einer Modell-Rallye Superstage in der Freistädter Messehalle. Mein Dank gilt unseren Sponsoren, in erster Linie an das Life-Radio, das die Veranstaltung nicht nur unterstützt hat, sondern auch ein wichtiger Medienpartner war. Spezieller Dank gebührt aber unserer eigenen Mannschaft mit allen Helfern und Funktionären. Sie haben heuer wieder vollsten Einsatz gezeigt.“

 

Bleibt noch der Blick in die Zukunft der Jänner Rallye. Trotz des für viele Teilnehmer schwierigen Termins zu Jahresbeginn und des Schneemangels am Samstag hat sich diese Rallye einen Fixplatz im Rallyekalender verdient. Ob sie unbedingt zur heimischen Meisterschaft zählen muss, die auch durch die vielen, im Jänner traditionell noch nicht einsatzbereiten Cup-Autos geprägt wird, gilt es nicht von unserer Seite zu beantworten. Sicher ist jedoch, dass viele potentielle Starter im Jänner weder über ein passendes Auto noch über ein fertiges Budget verfügen und somit dem Kampf um wertvolle Punkte tatenlos zusehen müssen. Abhilfe könnte hier die Wiedereinführung eines Streichresultats bringen. Wünschenswert wäre auch der Wegfall der mit 15 Minuten (bei Eiseskälte) unnötig langen Unterbrechung zwischen  FIA European Rally Cup- und ÖM-Startern, wo doch beide um die gleichen Plätze im Gesamtklassement fahren. Zusätzlich sollten, wie schon von Serienstaatsmeister Raimund Baumschlager gefordert, alle Fahrer die Chance haben, Punkte zur heimischen Rallyestaatsmeisterschaft zu sammeln und dieses Privileg den ausländischen Startern nicht vorenthalten werden, die genauso hart um Plätze kämpfen wie österreichische Piloten. Bleibt als wirklich letzte Bitte an die verantwortlichen Herren (und damit ganz sicher nicht an den Veranstalter, der daran keinerlei Schuld hat), dass man zukünftig auch im Mühlviertel die Teilnehmer am ersten Rallyetag in der Reihenfolge ihrer Startnummern über die Rampe schickt, um die Besucher entlang der Strecke nicht zu verwirren, sondern zu informieren. Weiter geht es im heimischen Rallye Kalender mit der Lico Lavanttal Rallye am 27. und 28. März. 


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