Dieser Artikel ist aus: Fahrberichte. Er betrifft die Themen: Strom
Elektro-Kleinwagen, THINK City, Denzel Green Drive, Erdberg, Valmet
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Elektro-Kleinwagen im Praxistest

THINK City: Elektrischer Stadtbummel

(ch: 08.06.2010)

THINK and the City: Wir lenken eines der ersten serienmäßig verfügbaren Elektroautos durch die Wiener Innenstadt und entdecken trotz intensivster Suche nicht die geringste Einschränkung im Praxisbetrieb.


Eine moderne Kleinwagenkarosserie und eine blitzblaue Farbe sind zu wenig. Keiner dreht sich nach dem THINK City um, kaum einer nimmt Notiz von einem der ersten hierzulande serienmäßig verfügbaren Elektroautos. Dabei wäre das Interesse der Öffentlichkeit doch so groß, wie wir beim Phototermin feststellen konnten. Angelockt vom geschäftigen Hantieren des Fotografen und weniger vom Objekt, das ins rechte Bild gerückt werden soll, versammelt sich dann doch eine kleinere Menschenmenge um den THINK City. Und siehe da: Plötzlich erhält das Elektroauto jene Aufmerksamkeit, die es verdient. Fragen nach der Reichweite und der Bauart der Batterie zeigen, dass man nicht uninformiert ist. Nur im Alltag hat man noch kein Exemplar gesehen und ist nun froh, das nachholen zu können.

 

Genauso unauffällig, wie sich der THINK City ins Straßenbild einfügt, fährt er sich auch. Man dreht einen ganz konventionellen Schlüssel rechts an der Lenksäule, die Kontrolllämpchen leuchten auf und schon kann es losgehen. Das Automatikgetriebe verfügt neben der gewohnten D- noch über eine E-Position. E wie Economy, E wie Ecology, E wie Effizienz: In diesem Betriebsmodus geht der THINK besonders umsichtig mit der in einer Natrium-Nickelchlorid-Batterie gespeicherten Energie um. Das bedeutet nicht, dass nun die Geschwindigkeit auf das innerstädtische Tempolimit reduziert wird. Spürbar ist der E-Modus nur im Schubbetrieb, wenn die beim Verzögern des Fahrzeugs entstehende Bewegungsenergie noch effizienter genützt wird, um sie in den Akkus zwischenzuspeichern: Um zum Stillstand zu kommen, muss man nun einen deutlich geringeren Druck auf das Bremspedal ausüben. Wer bremst, verliert also nicht, sondern gewinnt Energie. Die vom Hersteller angegebene Reichweite von 160 Kilometern dürfte übrigens tatsächlich einem realistischen Wert entsprechen: Zu groß war zwar unsere Angst, ohne Strom mitten im Verkehrsgewirr liegen zu bleiben, als dass wir die Batteriekapazität mutig bis zur Neige ausgeschöpft hätten, doch die nur langsam kleiner werdende Zahl auf der Anzeige am Armaturenbrett legt diese Vermutung zumindest sehr nahe. Wir schlossen den Elektrokleinwagen dennoch vorsichtshalber schon frühzeitig an die Steckdose: Ist die Batterie ganz leer, hat sie theoretisch nach siebeneinhalb Stunden 80 Prozent ihrer Kapazität wiedererlangt und ist nach weiteren zweieinhalb Stunden komplett geladen.

 

Das Ansprechverhalten des leer knapp über eine Tonne wiegenden Kleinwagens (mehr als ein Viertel davon geht übrigens auf das Konto der Batterie) ist durchaus lebhaft: Bereits aus dem Stand steht das volle Drehmoment von 90 Nm zur Verfügung und damit beschleunigt der THINK zumindest die ersten Meter gefühlsmäßig deutlich flinker als ein kleiner Benziner derselben Leistungsklasse (46 PS stellt der Dreiphasen-Synchronmotor des Elektro-Autos zur Verfügung). In Zahlen übersetzt: Von 0-50 km/h vergehen gerade einmal 6,5 Sekunden, für den Sprint auf 100 km/h wird vom Hersteller kein Wert bekannt gegeben. Genau bei diesem Tempo ist dann auch Schluss: Aus einsatz- und effizienztechnischen Überlegungen ist die Höchstgeschwindigkeit auf 100 km/h beschränkt. Mehr benötigt man aber auch nicht im speziellen Einsatzgebiet des THINK, denn dieses Tempo reicht für einen kurzen Ausflug auf die Landstraße oder das Befahren der Stadtautobahn.

 

Der 3,14 Meter lange THINK City ist zwar länger als ein Toyota iQ, verzichtet allerdings auf eine Rücksitzbank und wird als Zweisitzer angeboten (eine viersitzige Variante soll in Kürze folgen). Das bedeutet, dass die beiden Passagiere über erstaunlich viel Bewegungsfreiheit verfügen, was auch auf das Konto einer Fahrzeugbreite von 1,66 Meter geht, die jene eines Fiat 500 oder eines Ford Ka um ein paar Zentimeter übertrifft. Hinter den Sitzen findet sich ein unvermutet großzügiger Gepäckraum, der von der originellen, vollständig aus Glas bestehenden Heckklappe verschlossen wird. Diese dient beim THINK City nicht nur als gelungenes Stylingmerkmal, sondern erfüllt den praktischen Zweck, dass man beim Rückwärtseinparken die Stoßstange des Hintermannes genau im Blick hat, was ein millimetergenaues Manövrieren ermöglicht. Ein durchdachtes Detail, genauso wie der Umstand, dass die Karosserie aus durchgefärbtem und recyclebaren ABS-Kunststoff besteht und auf eine konventionelle Lackierung verzichtet: Das ist aufgrund der rauen Oberfläche zwar gewöhnungsbedürftig, aber besser für die Umwelt und lässt Kratzer und Beulen, wie sie im Stadtverkehr unvermeidbar scheinen, weniger stark auffallen. Ebenfalls erwähnenswert: 16 Prozent des Fahrzeugs bestehen aus wiedergewonnenen Materialien und die Batterie kann zu 100 Prozent recycelt werden.

 

Was im Innenraum gefällt, ist das ansprechend gestaltete Armaturenbrett und die gute Verarbeitung. Trotz des vielleicht (noch) nicht so geläufigen Herstellernamens handelt es sich beim THINK City nicht um ein in Kleinstserie gebautes Auto einer engagierten Hinterhoffirma. Er rollt beim finnischen Autobauer Valmet vom Band und dort werden auch die Porsche-Modelle Boxster und Cayman gefertigt. Bis Jahresende soll die volle Produktionskapazität beim Elektrokleinwagen erreicht werden und die liegt bei immerhin 12.000 Einheiten pro Jahr.

 

Die Ausstattung ist zwar nicht gerade üppig, aber unser Testfahrzeug verfügte neben bereits serienmäßigen Features wie elektrischen Fensterhebern und einer Zentralverriegelung auch über sämtliche (im Paket Plus zusammengefassten) Extras, was bis auf eine Klimaanlage (an einer diesbezüglichen Lösung wird gearbeitet) eigentlich nichts vermissen lässt: Ein MP3-fähiges CD-Radio, eine elektrisch beheizbare Frontscheibe, sportliche Alufelgen und als Ausgleich für die fehlende Air Condition ein großformatiges Faltschiebedach. Auch in Sachen Sicherheit geht der THINK City keine Kompromisse ein: Ein Antiblockiersystem ist genauso Serie wie ein Fahrer- und Beifahrerairbag, ein Seitenaufprallschutz und ein Notaus-Schalter, der bei einem Aufprall das gesamte Stromsystem lahm legt.

 

Auch das Publikum, das sich beim Fototermin um den THINK City versammelt hat, ist unserer Meinung: Für den Stadteinsatz könnte man sich ein derartiges Fahrzeug schon vorstellen. Mit mehr als zwei Personen an Bord fährt man ohnehin sehr selten und mit der verfügbaren Reichweite kann man einen hohen Prozentsatz der Alltagsfahrten ganz locker absolvieren. Und fesch ist er auch noch, also würde er einen netten und umweltfreundlichen Zweitwagen abgeben. Allen theoretischen Überlegungen ein Ende setzt allerdings die Frage nach dem Preis. Für 44.400,- Euro (inkl. MwSt) ist der THINK City bei Denzel in Erdberg verfügbar (und das im Augenblick ausschließlich für Flottenkunden). Über diese Summe, die den aktuellen Interessentenkreis auf staatliche Organisationen (so hat etwa Umweltminister Berlakovich ein Exemplar in seinen Fuhrpark aufgenommen) und große Firmen wie Energieversorgungsunternehmen beschränkt, ist allerdings sicher noch nicht das letzte Wort gesprochen. Auf der einen Seite gibt es in Österreich im Unterschied zu anderen europäischen Ländern noch immer keine klar festgelegte staatliche Förderung (bis auf den Wegfall von NoVA und motorbezogener Versicherungssteuer sowie die Unterstützung einiger Bundesländer und Gemeinden), die dem Verkaufspreis zumindest ein bisschen an Schärfe nehmen könnte, andererseits wird sich dieser mit steigenden Stückzahlen und wachsendem Mitbewerb von selbst pegeln. Bis dahin bleibt der THINK City gemessen an der Größe das teuerste Fahrzeug, das wir bisher in den saubereautos.at-Fuhrpark aufnehmen durften. 


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