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Jeep Commander 5,7 V8 Hemi Erdgasumbau
| Jeep Commander 5,7 V8 Hemi Erdgasumbau | |
|---|---|
| Motor | V8-Zylindermotor mit bivalentem Erdgasantrieb |
| Zylinder | 8 |
| Hubraum | 5.654 ccm |
| Leistung | 326 KW/PS |
| Drehmoment | 500 Nm |
| Kraftübertragung | 5-Stufenautomatik, Quadra-Drive II-Allradantrieb |
| Bremsen | Scheibenbremsen, vorne innenbelüftet |
| Abmessungen | |
| L/B/H | 4787/1899/1826 mm |
| Radstand | 2780 mm |
| Kofferraumvolumen | (Benziner:) 235,7-1.775,6 l |
| Gewichte | |
| Leergewicht | (Benziner:) 2.355 kg |
| zulässiges Gesamtgew | 2.900 kg |
| Anhängelast | 750/3.500 kg |
| Fahrleistungen | |
| 0-100 km/h | 7,4 sec. |
| Vmax | 208 km/h |
| Verbrauch | |
| Werk (Stadt/Land/ges.) | 21,0/12,3/15,5 l |
| Teststrecke (ges.) | Erdgas: 7,16 kg; Benzin: 13,26 l |
| CO2 Emissionen | (Benzin:) 368 g/km |
| Preis | |
| Basispreis | 75.680 Euro |
| Preis Testwagen | 83.301 Euro |
326 PS treffen auf 2,7 Tonnen Eigengewicht und nur vier Sitzplätze.
Jeep Commander: Vorreiter bei den Geländewagen?
(jmm: 10.02.2009)Mit unserem Grenzwert von 140 g/km CO2 hat ein Auto, das 5,7 Liter Benzin auf 100 Kilometern konsumiert, kein Problem. Stellt sich die Frage, was ein Auto mit 5,7 Liter Hubraum und einer Werksangabe von 15,5 l/100 km auf saubereAutos.at verloren hat.
Der Weg zu diesem Fahrbericht
Zwecks besserem Verständnis hier die Vorgeschichte. Anlässlich eines großen Branchentreffs im Jänner wurden einige Personen nach dem Auto gefragt, das sie in zehn Jahren fahren wollen. Eine der Antworten war: „Einen Hemi V8“ (Anmerkung der Redaktion: Hemi steht für hemisphärischen – halbkugelförmigen – Brennraum). Nicht zeitgemäß, werden viele unter Ihnen sagen, als Motorjournalist stelle ich mir die Frage anders. Wie könnte es möglich sein, auch in zehn Jahren noch mit einem V8-Motor, verpackt in einem Geländewagen, unterwegs zu sein und dabei kein schlechtes Umweltgewissen zu haben. Viele Berufsgruppen sind auf große geländetaugliche Fahrzeuge angewiesen, die sie von Wettereinflüssen unabhängig machen. Hinzu kommen jene Personen, die eine Zuglast von 3,5 Tonnen benötigen, und natürlich auch all jene, die aus Komfort- und Sicherheitsgründen auf große Geländewagen setzen. Was ohne Wenn und Aber möglich sein muss, leben wir doch glücklicherweise in einem freien Land, in dem sich jeder selbst seine eigene CO2-Bilanz erstellen kann, die nur zu einem kleinen Teil vom Automobil beeinflusst wird.
Die uns selbst gestellte Herausforderung war somit, einen 326 PS starken Geländewagen sauber zu bewegen. Hilfreich zur Seite stand uns dabei das Autohaus Ebner in Guntramsdorf bei Wien, das ähnliche Überlegungen wie wir schon früher gehabt haben dürfte. Gemeinsam mit dem Umbauspezialisten LuPower hat man in Guntramsdorf schon im vergangenen Sommer einen Jeep Commander auf Erdgas umgerüstet, um ihn dadurch nicht nur sauberer, sondern auch wirtschaftlicher zu machen. Dieser Umbau qualifizierte den Jeep auch für die Berichterstattung auf saubereAutos.at, da bei alternativen Antrieben die 140 Gramm-Grenze nicht gilt. Nach mittlerweile mehr als 15.000 Kilometern ist Prokurist Wolfgang Biegler davon überzeugt, die richtige Entscheidung getroffen zu haben. Anstatt im Alltagsbetrieb rund 16 bis 17 Liter Benzin zu verfeuern, sind es jetzt nur noch rund 10 Kilogramm Erdgas. Natürlich ist schon dieser Wert eindrucksvoll, dennoch wollten wir wissen, wie weit sich der Verbrauch bei entsprechend umweltfreundlicher Fahrweise noch drücken lässt und wo noch Einsparungspotential ausfindig zu machen wäre, ohne an den technischen Eckdaten zu rütteln.
Erlebnis Fahren
Das Fahrerlebnis in einem Jeep Commander kann amerikanischer kaum sein, auch wenn dieses Modell bei uns in Graz vom Band läuft und damit österreichische Arbeitsplätze sichert. Dicke Ledersessel vermitteln Wohnzimmeratmosphäre, das Cockpit erinnert an ein kleines Flugzeug, und wenn erst einmal alles richtig eingestellt ist – auch die Pedale lassen sich hier elektrisch justieren – kann die Reise auch schon losgehen. Das Sicherheitsgefühl eines Bergepanzers trifft auf die Melodie eines zart fauchenden Achtzylinders. Gekrönt wird diese Kombination durch eine Luxusausstattung, die ihresgleichen sucht. Die erste Überraschung dann an der Erdgaszapfsäule. Gleich drei unterschiedliche Fahrzeuge warten hier auf die Betankung. Standardthema dabei Reichweite und Leistungsverlust; der Neid der beiden anderen ist uns dank der 326 PS und des 34 Kilogramm Gasvorrates sicher. Ab sofort, das heißt schon beim Hinausrollen aus der Tankstelle, gilt es den großen Jeep so gefühlvoll wie möglich über die saubereAutos.at-Testrunde zu bugsieren, ohne dabei als Verkehrshindernis in Erscheinung zu treten oder aber Tempolimits in den zahlreich vorhandenen Bergabpassagen zu ignorieren. Einmal die Stadt durchquert, verlasse ich Wien in Richtung Westen, um am Ende des Tests einen praxisgerechten Mix aus Stadt, Land und Autobahn gefahren zu sein. Als zusätzliche Herausforderung hat der Jeep dabei eine Strecke vor sich, die eher an den Alltag von Klein- und Mittelklassewagen angepasst ist, was sich wiederum negativ auf den Verbrauch auswirken sollte. Unter Einhaltung aller Verkehrsregeln und bei bester Laune, nicht zuletzt wegen des tollen Komforts und der enormen Motorelastizität rolle ich nach gut zwei Stunden wieder an die Erdgaszapfsäule.
Verbrauch und Kosten
7,159 Kilogramm Erdgas hat sich der Jeep Commander auf einer Strecke von 100 Kilometern gegönnt und damit gezeigt, dass er über sehr viel Sparpotential verfügt. Um einen optimalen Vergleichswert zu haben, ging es dann im reinen Benzinmodus nochmals auf die saubereAutos.at-Verbrauchsrunde. Eine um drei Minuten kürzere Fahrzeit aufgrund von weniger Verkehr auf der Strecke bei ansonsten nahezu identen Eckdaten bescheren dem 326 PS starken Motor einen Verbrauch von 13,256 Litern Eurosuper auf 100 Kilometern und somit auch hier einen Wert, der um mehr als zwei Liter unter der Werksangabe liegt. Der Fairness halber muss hier erwähnt werden, dass auch im Benzinmodus die rund 250 Kilogramm schwere Erdgasausrüstung mitgeschleppt werden musste, was den Verbrauch um ein paar Zehntel nach oben geschoben haben dürfte. In Euro ausgedrückt hat der Test ebenfalls ein klares Ergebnis geliefert. Im Erdgasmodus beliefen sich die Kosten (Stand 5. Februar 2009 an einer OMV-Tankstelle in Wien) auf 6,72 Euro/100 Kilometer, im Benzinmodus waren es hingegen 13,57 Euro/100 Kilometer. Bleibt somit am Ende ein Kostenvorteil von 6,85 Euro oder grob gerechnet die halben Treibstoffkosten im Erdgasbetrieb.
Der Erdgasumbau im Detail
Zurück zum Erdgasumbau. Das schon erwähnte Mehrgewicht von 250 Kilogramm ist in erster Linie den schweren Tanks zuzuschreiben, die ein Fassungsvermögen von 34 Kilogramm Erdgas bieten. Für sie heißt es auf drei von ursprünglich sieben Sitzen und einen Teil des Kofferraums zu verzichten, der jetzt Mühe hat, einen erwachsenen Husky artgerecht zu beherbergen. Das Zusatzgewicht wirkt sich natürlich auch auf die Fahrdynamik aus, was sich jedoch durch härtere Dämpfer beheben lassen sollte. Was bleibt sind vier besonders bequeme Sitzplätze, die hohe Geländetauglichkeit und natürlich die Anhängelast von 3,5 Tonnen. Einziger echter Kritikpunkt am Jeep ist das serienmäßige Automatikgetriebe, das ein frühzeitiges Hinaufschalten im manuellen Modus regelmäßig blockiert und vom Zusatzgewicht im Kofferraum logischerweise keine Ahnung hat. Mit einer anderen Steuerungselektronik ausgestattet, ließe sich hier sicher noch ein kleiner Verbrauchsvorteil freisetzen. Lob und Kritik muss sich LuPower für den Erdgasumbau an sich gefallen lassen. Während die optische Ausführung, die Verkleidung der Tanks und die Integration des Gasanschlusses in die Seitenwand perfekt verarbeitet wirken, birgt die Erdgas-Software noch Verbesserungspotential. Speziell in langen Gleitpassagen verschluckt sich der Motor im Erdgasbetrieb immer wieder einmal, was durch einen leichten Ruck im Antriebsstrang mitgeteilt wird. Als mögliche Ursache dafür kommt die bei diesem Motor serienmäßige Zylinderabschaltung in Frage, die entweder nicht in die Programmierung eingeflossen ist oder aber dieser gerne Streiche spielt. Laut Wolfgang Biegler ist ein Software-Update bereits vorhanden und soll demnächst auch in unseren Testwagen eingespielt werden.
Nichts vorzuwerfen hat sich LuPower bei der Leistungsausbeute im Erdgasbetrieb. Durch die serienmäßige Konzeption als Benziner heißt es hier den Motor so zu befeuern, dass er dies auch langfristig verkraftet. Dabei ist es natürlich unumgänglich einen leichten Leistungsverlust im Erdgasbetrieb zu akzeptieren. Ohne dabei Prüfstandswerte vorweisen zu können sind es im umweltfreundlichen Erdgasbetrieb immer noch rund 300 gefühlte PS, die abgerufen werden können, während im Benzinmodus die vollen 326 Pferdestärken ihrer Arbeit nachgehen.
Die Kosten für den Umbau des Jeep Commander betragen mindestens 5.000,- Euro (exkl. USt.) für die komplett installierte Erdgasanlage inklusive aller dafür erforderlichen Adaptionen. Sollen es wie beim Testwagen ganze 34 Kilogramm Erdgas sein, sind noch ein paar hundert Euro dazuzurechnen. Mitzubringen ist in diesem Fall ein Jeep Commander 5,7 V8 Hemi Overland (die Limited-Ausstattung ist in Kombination mit diesem Motor nicht mehr lieferbar), der in der Preisliste von Jeep um 75.680,- Euro (inkl. NoVA und MwSt.) zu finden ist. Sparen kann, wer sich für den von uns gefahrenen Testwagen (Baujahr Juni 2008/15.000 km) entscheidet. Das Autohaus A. Ebner ist bereit, sich von ihm um 49.900,- Euro zu trennen.
Iststand und Zukunft
Zurück zum Ausgangspunkt. Anfänglich haben wir es bezweifelt, dass in zehn Jahren ein 326 PS starker Benzinmotor in einem Geländewagen der Marke Jeep noch eine Rolle spielen kann. Stellen wir uns jetzt diesen großen Geländewagen mit einer Start/Stopp-Automatik, einer modernen Siebengangautomatik und vielleicht sogar noch mit einem kleinen Hybridpaket an Bord vor und konzentrieren uns dabei auf den Betrieb mit Erd- oder Biogas (plus eines Benzinprogramms für Notfälle), dann sieht die Sache völlig anders aus. Schon heute Verbrauchswerte für ein solches Modell zu prognostizieren, wäre sicher falsch. Die Idee von einem Erdgasverbrauch von 5 Kilogramm auf 100 Kilometern ist dabei schön und – betrachtet man das Potential der hier vorgeschlagenen Einsparungen – gar nicht so unrealistisch.
Die Vorfreude ist jedenfalls groß, im Frühjahr 2019 über die saubereAutos.at-Verbrauchsstrecke zu fahren, eingepackt in dicke Ledersessel und dazu den unvergleichlichen Sound des V8 Hemi-Motors im Ohr, der sanft durch das leicht geöffnete Fenster dringt und bitte nicht von irgendeinem Sounddesigner aus den Radioboxen kommt.
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