Dieser Artikel ist aus: Fahrberichte. Er betrifft die Themen: Benzin
Fiat 500PUR-O2, Kleinwagen, Start/Stopp, Nuova 500
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Fiat 500 PUR-O2

Fiat 500 PUR-O2
Motor Ottomotor mit Start/Stop-System
Zylinder 4, Reihe
Hubraum 1242 ccm
Leistung 51/69 KW/PS
Drehmoment 102 Nm

Kraftübertragung 5-Gang-Schaltgetriebe

Bremsen Scheiben vorne, Trommeln hinten

Abmessungen
L/B/H 3546/1627/1488 mm
Radstand 2300 mm
Kofferraumvolumen 185-550 l

Gewichte
Leergewicht 865 kg
zulässiges Gesamtgew 1305 kg
Anhängelast 800/400 kg

Fahrleistungen
0-100 km/h 12,9 sec.
Vmax 160 km/h

Verbrauch
Werk (Stadt/Land/ges.) 5,7/4,3/4,8 l
Teststrecke (ges.) 5,5 l
CO2 Emissionen 113 g/km

Preis 13.700,- Euro

Das Kleinwagensegment im Wandel

Fiat 500 PUR-O2: Baby-Blau

(ch: 05.10.2009)

Ein sensationell gut aussehender Kleinwagen mit sauberer Antriebstechnik, der Fahrvergnügen vermittelt, ohne Spaßverderber auf dem Plan zu locken – Fiat bringt aktuelle Technik in einem Fahrzeug unter, das ausschließlich positive Emotionen weckt.


Volkswagen hat es mit dem New Beetle halbherzig versucht, BMW legte bei der Neuauflage des Mini schon deutlich mehr Enthusiasmus und Liebe zum Detail an den Tag. Doch kein anderer Hersteller übertrifft in der Umsetzung konsequenten Retro-Stylings die Marke Fiat: Der kleine 500, der ab Ende der 1950er Jahre Hunderttausenden von Italienern, die zuvor mit Roller und Leichtmotorrad unterwegs waren, ein (Blech- oder wahlweise Stoff-)Dach über dem Kopf geboten hat, feiert als Ikone des südländischen Automobilbaus seine Wiedergeburt und trifft als trendiger Kleinwagen den Nerv der heutigen Käufer. Diese stammen allerdings teilweise aus völlig anderen gesellschaftlichen Schichten als jene, die damals das Original erwarben. Die Großfamilie in Sizilien bevorzugt heute den Fiat Panda, eine deutlich größere Dichte an individualistisch gestylten 500ern findet man im Business-Bezirk von Mailand.

 

Über die Attraktivität des kleinen Fiat wurde ja schon genügend geschrieben und gesagt. Dennoch sei die Frage erlaubt, ob es sich bei diesem Modell tatsächlich um ein derartiges Jahrhundertdesign handelt. Oder sehen wir – und ich spreche hier für die Generation, deren dreißigster Geburtstag auch schon länger zurückliegt – den Fiat 500 im Zerrspiegel sentimentaler Nostalgie, der uns in frühere, unbeschwerter erscheinende Zeiten zurückführt? Lässt dieser Blick eine objektive Bewertung des aktuellen Modells gar nicht zu? Das gilt insbesondere für uns Österreicher, die bei jedem vorbeifahrenden Fiat 500 ja noch dazu an unser „Pucherl“ erinnert werden. Den Gegenbeweis für diese These bildet wiederum der ebenso große Erfolg des kleinen Fiat bei den jungen Autofahrern, die das Original höchstens vom Hörensagen kennen und zu diesem Fahrzeug keinerlei emotionale Bindung aufweisen. Wie es auch sei, der Erfolg gibt Fiat recht, und dem Konzern (und auch uns selbst) kann es im Endeffekt egal sein, aus welchen Gründen uns der 500 so begeistert.

 

Obwohl sich die Konstrukteure bei der Neuauflage mit liebenswerter Sorgfalt selbst um das kleinste Detail gekümmert haben – vom Blecharmaturenbrett über den Tankverschluss bis zu den verchromten Türgriffen –, hat sich gegenüber dem Original ein entscheidender Faktor geändert. Alles ist seit dem Jahr 1957, als der sogenannte „Nuova 500“ vorgestellt wurde, größer geworden – vom persönlichen Freiraum über unsere Erwartungen und Ansprüche bis zum Budget, das wir heute für individuelle Mobilität ausgeben. Deshalb ist auch der aktuelle Fiat 500 größer, sogar viel größer als das Original: Deutlich über einen halben Meter länger als der Urvater, fast einen Drittelmeter breiter und rund 16 Zentimeter höher – ein deutliches Zeichen für die Entwicklung (nicht nur) des Kleinwagensegments in den letzten Jahrzehnten.

 

Was damit Hand in Hand geht, ist natürlich auch eine Gewichtszunahme, die ebenso beeindruckend ausfällt. Brachte die letzte Version des Nuova 500 gerade einmal knapp über 500 kg auf die Waage, so bleibt der Zeiger bei unserem Testwagen bei der 865 kg-Marke stehen – das entspricht einer Gewichtszunahme von über 70 Prozent, ist allerdings gleichzeitig ein Wert, mit dem Fiat im heutigen Kleinwagensegment nicht schlecht da steht. Denn die Vertreter dieser Klasse sind unvergleichlich besser, komfortabler und vor allem sicherer geworden, und alle neuen Technologien in den aktuellen Kleinwagen fordern ihren Preis.

 

Eines dieser innovativen Systeme, mit dem unser Testwagen ausgestattet war, ist Fiats Start/Stop-System. Diese Technologie macht vor allem bei einem Fahrzeug wie dem 500 Sinn, dessen Haupteinsatzgebiet der urbane Raum ist. Und so reduziert sich die Werksangabe für den Durchschnittsverbrauch von 5,1 l/100 km ohne auf 4,8 l/100 km mit Start/Stop-Anlage. Im Alltagsbetrieb, bei dem der im Stadtverkehr zurückgelegte Anteil wahrscheinlich noch größer ist, kann man vielleicht sogar mit einer noch höheren Treibstoffersparnis rechnen. Die Start/Stop-Technologie arbeitet einwandfrei und ließ uns niemals mit nicht sofort anspringenden Motor an der Kreuzung stehen. Dennoch kamen wir im Testbetrieb auf einen Verbrauch von 5,5 l/100 km, wofür vor allem eines verantwortlich ist: das gute Fahrwerk, dessen Geometrie auf die Motorleistung der starken Abarth-Versionen ausgelegt ist und deshalb mit den 69 PS des sauberen PUR-O2-Modells kein Problem hat. Da hilft nur eiserne Selbstdisziplin, um sich nicht vom reinen Fahrspaß in Versuchung führen zu lassen, und die besaß ich nicht immer. Man dreht das agile 1,2 Liter-Motörchen doch deutlich höher, als eine strenge, umwelttechnisch korrekte Fahrweise es diktieren würde, rührt munter im exakt zu schaltenden Fünfganggetriebe und freut sich des 500 und des Lebens. Und genau darin besteht auch das Erfolgsgeheimnis dieses Autos: Am Steuer des kleinen Fiat hat man enormen Spaß, und während dieser in anderen Fahrzeugen durch die wahlweise neidischen oder strengen Blicke der Passanten bald seine Grenzen findet, haben am unbeschwerten Frohsinn ausstrahlenden Italiener auch unbeteiligte Zuschauer ihre Freude.

 

Damit sowohl Eigentümer als auch Betrachter noch mehr Vergnügen am Fiat 500 haben, hat der italienische Hersteller auch ein umfangreiches Zubehör- und Individualisierungsprogramm im Angebot, das ähnlich geschmackvoll und durchdacht ist wie das Auto selbst. Zum Aufpeppen des äußeren Erscheinungsbilds stehen unter anderem eine ganzen Reihe an wunderschönen Leichtmetallfelgen, dezenter Chromschmuck und liebevoll gestaltete Badges sowie eine lange Liste an Dekorfolien (Schachbrett, Sportstreifen, ja sogar Startnummern) für die Wagemutigeren unter den Fiat-Fahrern zur Verfügung. Dazu kommen zahlreiche Features, um den Innenraum aufzuwerten und den Komfort zu steigern. Wer beim Ankreuzen der Liste an begehrenswerten Optionen allerdings zu eifrig ist, darf sich nicht wundern, wenn der ursprüngliche Einstandspreis von durchaus angemessenen 13.700,- Euro (inkl. NoVA und MwSt.) plötzlich in Sphären entgleitet, die für einen Vertreter des Kleinwagensegments doch zumindest ungewöhnlich sind.

 

Unseren Testwagen hatte Fiat Österreich mit einem bunten Potpourri an Extras ausgestattet, das einen repräsentativen Überblick über das Zubehörprogramm geben soll. Es umfasste unter anderem integrierte Nebelscheinwerfer (120,- Euro exkl.), die empfehlenswerte Klimaautomatik mit Pollenfilter (980,- Euro), das unverzichtbare Paket an den elektronischen Assistenten ESP, Motorschleppregelung MSR, Traktionskontrolle ASR, Notbremsassistent HBA und Hill Holder (450,- Euro), sowie je nach Geschmack notwendige Features wie den sportlichen Lederschaltknauf (50,- Euro), die Rückfahrsensoren (150,- Euro) und den Klebestreifen in den Farben der italienischen Tricolore (120,- Euro).

 

Ab Werk verfügt der Fiat 500 in der PUR-O2-Version neben dem bereits genannten Start/Stop-System unter anderem über elektrisch verstell- und beheizbare Außenspiegel, das geschmackvolle Chromdekor-Paket, 15 Zoll-Leichtmetallräder, einen höhenverstellbaren Fahrersitz und eine Klimaanlage. Und trotz obiger Ausführungen, wie groß der Fiat 500 im Vergleich zu seinem Ur-Vater geworden ist: Das Platzangebot ist erstaunlich. Selbst die Rücksitze sind keine Notbank für seltene Fälle. Zwei Erwachsene finden dort einigermaßen komfortabel Platz und in den Kofferraum passt deutlich mehr als nur ein Aktentäschchen.

 

Ich selbst testete das Platzangebot unter erschwerten Bedingungen und brachte meine hochschwangere Frau samt umfangreicher, schon vor Wochen gepackter Kliniktasche zur Entbindung unseres Kindes ins Spital. Trotz vor Aufregung zitternder Finger fand die Familie in spe samt Gepäck in Windeseile im italienischen Kleinwagen Platz. Nein, auch das Start/Stop-System spielte dem von der Situation deutlich überforderten Fahrer keinen Streich. Und auch wenn es die baby-blaue Lackierung (korrekte Bezeichnung: Vintage Cha Cha Cha Blau) unseres Testwagens nahelegen würde: Ich wurde nicht Vater eines Sohnes, sondern konnte eine gesunde Tochter in Empfang nehmen. Dennoch bin ich Fiat für die Wahl der Lackfarbe mehr als dankbar.


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